Wenn Sammlungen ins Gespräch kommen
Mit der Doppelausstellung MIX & MATCH öffnet die Draiflessen Collection in Mettingen ihre Bestände für eine ungewöhnliche Form der Begegnung. Im Studiensaal und in DAS Forum werden Kunstwerke, historische Objekte, Mode, Werbematerialien und Archivdokumente nicht nach kunsthistorischen Epochen oder Gattungen geordnet, sondern entlang eines ebenso einfachen wie wirkungsvollen Prinzips: der vier Elemente Erde, Feuer, Luft und Wasser.
Die Ausstellung macht sich damit eine Vorstellung zunutze, die seit der Antike das Denken über die Welt geprägt hat. Doch die vier Elemente dienen hier weniger als wissenschaftliches Modell denn als kuratorisches Werkzeug. Sie schaffen einen Rahmen, in dem sich Objekte aus unterschiedlichen Jahrhunderten, Kontexten und Sammlungsbereichen begegnen können. Das Ergebnis ist kein klassischer Sammlungsrundgang, sondern ein offenes Geflecht aus Assoziationen.
Gerade in dieser Offenheit liegt die Stärke der Ausstellung. Anstatt die Vielschichtigkeit der Bestände durch eine streng chronologische Erzählung zu ordnen, setzt MIX & MATCH auf überraschende Verbindungen. Druckgrafiken und historische Buchkunst treffen auf Fotografien aus der Unternehmensgeschichte von C&A, zeitgenössische Kunstwerke stehen neben ikonischen Modestücken, Archivdokumente neben Werbematerialien. Die Ausstellung verzichtet weitgehend auf Hierarchien und versteht die Sammlung als ein Netzwerk von Beziehungen.
Besonders überzeugend ist dabei der Mut zur Reibung. Die Gegenüberstellung von Werbekultur, Kunstgeschichte und Unternehmensarchiv könnte leicht beliebig wirken. Tatsächlich gelingt es der Präsentation jedoch, den Blick auf Gemeinsamkeiten zu lenken, die sich weniger aus historischen Zusammenhängen als aus Motiven, Materialien oder kulturellen Vorstellungen ergeben. So entstehen Verbindungen, die zunächst überraschend erscheinen, im Ausstellungsverlauf jedoch eine eigene Plausibilität entwickeln. Wenn ein Blatt von Rembrandt, Populärkultur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und historische Markenkommunikation in einen gemeinsamen Kontext treten, wird nicht die Differenz nivelliert, sondern die Frage gestellt, welche Bilder, Symbole und Erzählungen über Zeiten hinweg fortwirken.
Der Titel MIX & MATCH beschreibt damit präzise die kuratorische Strategie. Die Ausstellung versteht das Sammeln nicht als statisches Bewahren, sondern als aktiven Prozess des Neuordnens und Neuinterpretierens. Die verschiedenen Teilbestände der Draiflessen Collection, von Kunst über Modegeschichte bis hin zum Unternehmensarchiv, werden nicht isoliert präsentiert, sondern als Bestandteile eines größeren kulturellen Zusammenhangs sichtbar gemacht.
Dabei zeigt sich auch eine Besonderheit der Draiflessen Collection selbst. Das Haus verfolgt seit Jahren einen epochenübergreifenden Ansatz, der historische und zeitgenössische Perspektiven miteinander verbindet. MIX & MATCH führt dieses Selbstverständnis konsequent weiter und macht die institutionelle Identität des Museums zum eigentlichen Thema der Ausstellung. Nicht einzelne Meisterwerke stehen im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie Bedeutung durch das Nebeneinander unterschiedlicher Objekte entsteht.
Die Ausstellung fordert ihre Besucherinnen und Besucher deshalb weniger zum Wiedererkennen als zum Entdecken auf. Wer eindeutige kunsthistorische Narrationen sucht, wird hier nur bedingt fündig. Wer sich jedoch auf die assoziative Dramaturgie einlässt, erlebt eine Ausstellung, die ihre Vielfalt nicht als Problem, sondern als produktive Ressource begreift. MIX & MATCH demonstriert, wie aus den unterschiedlichsten Sammlungsbeständen ein vielschichtiger Dialog entstehen kann und wie ein Museum seine eigenen Archive zum Ausgangspunkt neuer Erzählungen macht.
Fotos: Ausstellungsansichten, MIX & MATCH, Draiflessen Collection