Frieze London und Frieze Masters 2026: Zwischen Farbenrausch und Kunstgeschichte. Ein persönlicher Rundgang durch die internationale Kunstwelt im Regent’s Park
Zwei große Zelte im Londoner Regent’s Park, zwei Kunstmessen mit unterschiedlichem Charakter: Die Frieze London präsentiert vor allem zeitgenössische Kunst, während die Frieze Masters den Blick auf ältere Kunst und kunsthistorische Zusammenhänge richtet. Beide sind weit mehr als reine Verkaufsveranstaltungen – sie sind Ausstellungen, Marktplätze und gesellschaftliche Treffpunkte zugleich.
Frieze London: Farben, Formen und große Namen
Auf der Frieze London fällt zunächst die Vielfalt der Farben und Materialien ins Auge. Die Präsentationen reichen von Malerei mit leuchtenden Farbflächen bis zu skulpturalen Arbeiten, die mit ungewöhnlichen Formen und Oberflächen spielen.
Ein Highlight der Messe waren die sechs neuen Gemälde von Albert Oehlen bei Gagosian. Nach Auskunft einer Mitarbeiterin waren alle sechs Arbeiten bereits am Preview-Tag meines Besuches verkauft. Der genannte Preis lag bei rund 1,2 Millionen US-Dollar pro Werk – ein Beispiel dafür, welche Summen im obersten Segment des zeitgenössischen Kunstmarktes umgesetzt werden.
Auch bei White Cube zogen die farbintensiven Leinwände von Ilana Savdie die Aufmerksamkeit auf sich. Bei Hauser & Wirth wurde Avery Singers “Solver (v.3)” aus dem Jahr 2026 gezeigt, ein mit Acrylfarbe bemaltes Aluminium-Panel.
Bei der mexikanischen Galerie OMR waren drei Arbeiten von Sebastian Silva aus dem Jahr 2026 zu sehen. Die “Untitled”-Werke bestehen aus farbigen, unregelmäßigen Feldern, die in einem rhythmischen Raster angeordnet sind. Davor ergänzte eine kleine Skulptur mit organischen Formen die Präsentation.
Besonders gefreut hat mich das Wiedersehen mit Vivian Greven, deren künstlerische Position ich in meinem Buch “The Ultimate Guide to the Art Market” (Deutsch: “Kunst kaufen”) vorstelle. Eines ihrer Werke ist dort abgebildet. Auf der Frieze London war die deutsche Künstlerin bei Perrotin vertreten. Greven studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und verbindet in ihrer figurativen Malerei kunsthistorische Bezüge mit einer eigenständigen zeitgenössischen Bildsprache.
Einen besonderen Akzent setzte die Kölner Galerie Gisela Capitain mit Arbeiten von Barbara Bloom. Ihre Werke “Balance #6 (Orange Girl)” und “Balance #3 (Chinese Girl Red)” aus dem Jahr 2001 verbinden fotografische Motive mit farbigen Flächen und zerbrochenem Glas. So entsteht ein spannungsreiches Spiel zwischen Bild, Material und Wahrnehmung.
Skulpturen unter freiem Himmel
Auf dem Weg zwischen den beiden Messezelten führt der Rundgang durch den Skulpturenpark im Regent’s Park. Hier entfalten die Werke ihre Wirkung im offenen Raum und treten in einen Dialog mit der Landschaft.
Douglas Whites “Black Palm” von 2026, gefertigt aus Reifenfragmenten und Stahl, erinnert an eine überdimensionierte Palme. Conrad Shawcross’ “Eye of the Needle (Time Pebble)” aus anodisiertem Aluminium wirkt dagegen geometrisch und beinahe kosmisch. Bei den Skulpturen fällt besonders auf, wie unterschiedlich Metall und andere Materialien eingesetzt werden können, um Bewegung, Gewicht und räumliche Wirkung zu erzeugen.
Frieze Masters: Kunstgeschichte und persönliche Begegnungen
Die Frieze Masters eröffnet einen anderen Blick auf Kunst. Hier stehen historische Positionen und ihre Bedeutung für die Gegenwart stärker im Vordergrund.
Mit Thomas Ruff war auch ein bedeutender deutscher Fotograf auf der Frieze Masters vertreten. Bei Ben Brown Fine Arts wurde seine Fotografie “03h 44m/−45°” aus dem Jahr 1990 gezeigt. Sie gehört zur Serie “Sterne”, für die Ruff astronomische Aufnahmen der Europäischen Südsternwarte verwendete. Als einer der prägenden Vertreter der Düsseldorfer Photoschule steht er für eine Generation deutscher Fotografen, die das Medium international maßgeblich geprägt hat.
Eine interessante Begegnung hatte ich mit dem Porträt “Dr. Erich Marx” von Andy Warhol aus dem Jahr 1978. Erich Marx hatte ich persönlich als Sammler kennengelernt. Bei unserem Gespräch erzählte er mir, dass Warhol ihn porträtiert hatte. Marx’ Sammlung prägte das Profil des Hamburger Bahnhofs – Museum für Gegenwart in Berlin – maßgeblich mit.
Was bleibt vom Messebesuch?
Die Frieze überzeugt durch ihre internationale Vielfalt und die sorgfältige Inszenierung. Dennoch fehlten mir einige wirklich überraschende Entdeckungen. Manche Arbeiten erinnerten an vertraute Bildsprachen: Bin Woo Hyuks Seerosenlandschaft “Der Hagel am Rathaus-Teich” (2026) weckte Assoziationen zu Monets “Water Lilies”, Huh Dal Jaes “White Plum Blossoms” (2021-2023) zu Damien Hirsts Kirschblütenbildern.
Auch der The Guardian kritisierte die kommerzielle Ausrichtung und die Qualität mancher Präsentationen. Mein eigener Eindruck ist differenziert: Die Frieze bietet viele interessante Begegnungen, doch ich hätte mir mehr Werke gewünscht, die neue Perspektiven eröffnen und lange im Gedächtnis bleiben.
Ein Punkt liegt mir besonders am Herzen: mehr Transparenz bei den Preisen. Wenn die Preise direkt an den Kunstwerken ausgewiesen würden, könnten sich gerade neue Sammler leichter orientieren und besser einschätzen, welche Werke für sie infrage kommen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um den Zugang zum Kunstmarkt offener zu gestalten.