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Über die Ambivalenz zwischen dem Systematischen und dem Intuitiven - Anna Nero im Gespräch mit Ruth Polleit Riechert

Über die Ambivalenz zwischen dem Systematischen und dem Intuitiven - Anna Nero im Gespräch mit Ruth Polleit Riechert

Die Malerin Anna Nero wurde 1988 in Moskau geboren. Ihre Eltern und ihre Großmutter sind ebenfalls Künstler. Anna studierte bildende Kunst bei Anne Berning an der Kunsthochschule Mainz und bei Ingo Meller an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. 2015 schloss sie ihr Studium an der HGB mit Auszeichnung ab und begann ein zweijähriges Master-Class-Programm unter dem international renommierten Heribert C. Ottersbach, das sie 2017 abschloss. Von 2011 bis 2017 war Anna Nero Stipendiatin des Cusanuswerks. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und Leipzig und hatte bereits zahlreiche Ausstellungen, unter anderem in Leipzig, Köln, Frankfurt, Hamburg und Detroit.

 Anna Nero, HGB Leipzig, 2017 – Foto: Sophia Kesting

Anna Nero, HGB Leipzig, 2017 – Foto: Sophia Kesting

Wann hast Du angefangen, als Künstlerin zu arbeiten und warum?

Ich habe früh angefangen zu zeichnen, da meine Eltern beide im künstlerischen Bereich arbeiten, doch erst seit meinem Diplom 2015 betrachte ich mich selbst als Künstlerin. Viele Menschen sind kreativ und künstlerisch veranlagt, doch sein Leben der Malerei zu widmen und zu versuchen, davon zu leben - das ist eine ganz andere Sache. Anfangs wollte ich Grafikdesigner werden wie mein Vater, doch bald wurde mir klar, dass ich lieber mit meinen Händen als mit einem Computer arbeiten wollte. Darum begann ich, mich für die Malerei zu interessieren.

Der Stil Deiner Bilder ist einzigartig. Wie hast Du ihn entwickelt und was genau ist Deine Technik?

Als ich 2009 angefangen habe, Kunst zu studieren, habe ich meistens Konstellationen von Menschen in seltsamen und dekonstruierten Räumen gemalt. Die Textur, Farbe und Form jedes Elements war immer sehr wichtig und irgendwann wurde das wichtiger als die Figuren. Also mussten sie verschwinden. Ich begann langsam eine neue, abstrakte Arbeitsweise zu entwickeln. Statt Figuren wurden Formen und Gesten die Protagonisten meiner Bilder.

Im Laufe der Jahre entwickelte ich bestimmte Regeln für meine künstlerische Arbeit, und innerhalb der Grenzen dieser Regeln bin ich frei. Ich beginne normalerweise mit geometrischen Rastern und Mustern, die später mit Pinselstrichen und intuitiveren Formen übermalt werden. Ich wechsle ständig zwischen strengen und schnittigen geometrischen Formen und mutigen, verspielten Pinselstrichen hin und her. Das sind die Pole, zwischen denen meine Bilder oszillieren – konstruiert und intuitiv, streng und spielerisch: In meiner Arbeit geht es um die Ambivalenz zwischen dem Systematischen und dem Intuitiven. Während dieses Prozesses, Schicht für Schicht, entwickeln meine Bilder ihre eigene Erzählung.

 Anna Nero, Nightlife, 180x150 cm, 2017

Anna Nero, Nightlife, 180x150 cm, 2017

Wer oder was inspiriert Dich?

Die Tatsache, dass meine Eltern und auch meine Großmutter Künstler sind, hat sich wahrscheinlich auf meine Berufswahl ausgewirkt. Daneben interessiere ich mich für Alltagsgegenstände sowie Popkultur und Design, Mode und Werbung. Ich mag das Triviale und Banale. Das Leben und die Wirkung von Objekten, insbesondere von Massenartikeln wie Spielzeug, Dekorationsobjekten und Nippes, interessiert mich. Was Künstler angeht, mag ich Jonathan Lasker, Mary Heilman, Tomma Abts und Andreas Schulze.

 Anna Nero, Fake Facts, 40x30 cm, 2018

Anna Nero, Fake Facts, 40x30 cm, 2018

 Anna Nero, Big Foot, 40x30 cm, 2017

Anna Nero, Big Foot, 40x30 cm, 2017

Was möchtest Du mit Deiner Kunst ausdrücken?

Während der Arbeit im Studio versuche ich, alle äußeren Meinungen oder Erwartungen auszublenden. Ich kann nicht voraussehen, was die Leute in meiner Arbeit sehen werden, also bin ich der einzige Richter, wenn ich etwas erschaffe. Ich hoffe, dass die Leute, die meine Arbeit auf einer Ausstellung betrachten, die Geschichte und manchmal sogar die Ironie oder die Scherze erkennen, die sich in meiner Kunst verbergen.

Ich hoffe, dass sie sich mit der postmodernen Generation, zu der ich gehöre, identifizieren können, da ich oft andere künstlerische oder visuelle Bereiche zitiere oder mich ihrer bediene, und selbst wenn ich es nicht tue, möchte ich einfach, dass meine Bilder Spaß machen.

Vielen Dank für das Gespräch, Anna!

Ausgewählte Arbeiten von Anna Nero können über RPR ART und Artsy bezogen werden.



Foto von Anna Nero: Dirk Skiba


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