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Auf der Suche nach der Unendlichkeit - Bernhard Adams im Gespräch mit Ruth Polleit Riechert

Auf der Suche nach der Unendlichkeit - Bernhard Adams im Gespräch mit Ruth Polleit Riechert

Bernhard Adams wurde 1990 in Köln geboren. Er lebt und arbeitet in Düsseldorf. Von 2012 bis 2017 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit 2017 ist er Meisterschüler von Katharina Grosse. Im Juni 2018 hat die Kunsthistorikerin Dr. Ruth Polleit Riechert ihn zum Interview getroffen.

Was hat Dich bewogen, künstlerisch zu arbeiten? Und wie kam der Wechsel vom Foto zum gemalten Bild?

Die Einsicht, dass Kunst für mich nicht nur ein Zeitvertreib ist, kam mir im Jurastudium. Ich saß tagsüber unzufrieden in Straf- und Staatsrechtsvorlesungen und fuhr Nachts mit meinem Motorrad ins Kölner Umland, um Kraftwerke zu fotografieren. Dass ich den falschen Weg gewählt hatte, wurde mir dann zum Glück nach einem Jahr klar, und ich bewarb mich an deutschen Kunsthochschulen für Fotografie. Zum Malen bin ich erst im Studium gekommen. Mein Blick auf Malerei ist von der Abgrenzung zum Foto bestimmt. Im gemalten Bild suche und schätze ich alle Qualitäten, die mir die Fotografie nicht geben kann. Direktheit, Bewegung, das Spürbar-Werden durch das Sehen, taktile Qualität und das Unveränderliche, Faktische eines Gemäldes fehlten mir beim Arbeiten mit der Kamera. Ein Foto ist für mich immer mit einem spürbaren Filter, einem Abstand zum Betrachter belegt. Heute sehe ich in der Fotografie wieder einen Reiz und Anknüpfungspunkt für mein Schaffen. Während des Kunststudiums habe ich mich aber nach dem ersten Jahr ausschließlich für das Malen interessiert.

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Was inspiriert Dich? Woher nimmst Du Deine Ideen, Anregungen?

Als Anregung sehe ich alles, was beim Malen selbst passiert und was ich beobachte. Das kann mich bei den Entscheidungen beeinflussen, die mich zu einem fertigen Bild führen. Zwei Farbkleckse auf dem Boden, die sich langsam vermischen, das Ausreiben eines Pinsels, zwei Bilder, die komisch an der Wand lehnen, etc. wirken darauf, wie ich male. Das Was, die Ideen – also weniger direkte Überlegungen – bekomme ich häufiger, wenn ich nicht vor der Leinwand stehe.

Astronomie hat mich schon immer fasziniert. Wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesem Thema verfolge ich in Büchern, Vorträgen und Filmen. Bei meinem Studienabschluss habe ich dieses Interesse als Energiequelle begriffen, die ich für das Malen nutzen kann. Inspiration für neue Bilder finde ich seitdem regelmäßig, wenn ich zum Beispiel davon erfahre, wie andere Kulturen die Sterne anschauen, welche kosmischen Kräfte nötig sind, um Gold zu erschaffen, oder wenn ich versuche, zu visualisieren, wie groß ein Lichtjahr eigentlich ist.

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Welche Umsetzungsformen und Techniken setzt Du ein?

Mein "Gateway" zur Malerei war die Abgrenzung vom Foto. Die Materialität eines Werks visuell und taktil so kontrastreich auszugestalten, unmittelbar die Entstehung nachvollziehbar zu machen, funktioniert beim Foto nicht. Ich arbeite mit Pinsel und Sprühpistole, weil beide Werkzeuge mir ermöglichen, meine Überlegungen zu den Möglichkeiten eines Bildes sichtbar werden zu lassen.

Der Pinselstrich transportiert etwas Archaisches, Direktes, Spürbares. Bewegung spaltet sich in ihre Komponenten und brennt sich in die Leinwand ein. Widerstand, Geschwindigkeit, Entschlossenheit bilden sich ab, Farbschichten vermischen sich je nach Kraft des Strichs. Mit der Sprühpistole berühre ich den Untergrund nicht. Alles wird mühelos überdeckt mit einem Netz aus einzelnen Farbpartikeln. Sprühen formt die Oberfläche des Bildes nicht, das Haptische des Pinsels wird negiert. Gesprühte Farbe erinnert mich an Screens, Massenbilder hinter glattem Glas. Ich halte beide Erscheinungsformen für Antagonisten und sehe sie gleichermaßen als unumstößlich relevant für das heutige Bildverständnis an.

 Deepfield I, 2018, Acryl auf Baumwolle, 280 x 180 cm

Deepfield I, 2018, Acryl auf Baumwolle, 280 x 180 cm

 Traveling 4D - Spacetimefabric, 2018, Fuji Lightjet unter Acrylglass, 80 x 32,8 cm, Edition 5+2

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 Surfing Particles, 2018, Acryl auf Baumwolle, 50 x 70 cm

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Was möchtest Du mit Deiner Kunst sagen und bewirken?

Die Frage "Was kann ein Bild sein?" ist der Motor für meine Malerei. Diesen Antrieb möchte ich vermitteln und Vorschläge liefern. Ich stelle keine Propaganda her, möchte also vom Betrachter keine Zustimmung zu meinen Gedanken. Ich will wirken, inspirieren, meine Faszination teilen, anregen und begeistern mit dem, was ich tue. Malerei ist Kommunikation. Ich kommuniziere mit der Welt. Meine Bilder sind Manifestationen meiner Überlegungen und Entscheidungen, die diese Kommunikation dokumentieren und auch unabhängig von meiner Person anstoßen sollen.

Vielen Dank für das Gespräch, Bernhard!


Ausgewählte Arbeiten von Bernhard Adams können über RPR ART und Artsy bezogen werden.



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