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Die Fülle der alltäglichen Eindrücke - Ein Gespräch mit der Künstlerin Natascha Schmitten

Die Fülle der alltäglichen Eindrücke - Ein Gespräch mit der Künstlerin Natascha Schmitten

Natascha Schmitten wurde 1986 in Bonn geboren und hat bis 2014 an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert. Auf frische und undogmatische Weise erforscht sie malerische Möglichkeiten. Sie entwickelt ihre Arbeiten, die sich zwischen Abstraktion und Figuration bewegen, aus unzähligen, halbtransparenten Farbschichten, aufgetragen auf Polyestergewebe. Ihre Arbeiten sind ein spannungsreiches Spiel aus Farbflächen, durchlässigen Lasuren und subtilen Spuren. Die Meisterschülerin von Siegfried Anzinger ist Trägerin des Douglas Swan Förderpreises 2017 und Gewinnerin eines Anerkennungspreises im Rahmen des Strabag Art Award 2017. Sie arbeitet und lebt als freischaffende Künstlerin in Köln. Im April 2018 haben wir sie in ihrem Studio besucht.

Wann hast Du angefangen als Künstlerin zu arbeiten und was hat Dich motiviert?

Ich habe schon immer eine Art Selbstverständlichkeit in der Beobachtung gesehen. Vielleicht hat es also damit angefangen. Gleichzeitig habe ich früh versucht herauszufinden, wie Dinge funktionieren, wie sich Materialien verhalten und wie ich sie nutzen kann, um etwas zu erschaffen oder auszudrücken. Ich habe immer gemalt, gebaut und vor allem viel gezeichnet. An der Kunstakademie wurde mir dann ziemlich schnell klar, dass ich die vermeintliche Einfachheit eines Bildformates extrem spannend finde, und zwar so spannend, dass ich mir von Anfang an vorstellen konnte alleine innerhalb des Mediums Malerei einen riesigen Kosmos an Möglichkeiten aufzuspannen.

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Gibt es Personen oder andere Künstler, die Dich künstlerisch beeinflusst haben?

Ich glaube, dass alles was uns umgibt, einen Pool an Eindrücken eröffnet und uns beeinflusst. Dazu gehört natürlich auch die Kunstgeschichte. Ich genieße es sehr, wenn mich Kunstwerke vollkommen einnehmen. Derzeit tun das beispielsweise Werke von Künstlern wie Diego Velázquez, Joan Mitchell, Philip Guston, Christopher Wool und Wolfgang Tillmans. Allerdings ist das für mich ursprünglich nicht der Anreiz gewesen selber Künstlerin zu werden bzw. künstlerisch aktiv zu sein. Es ist eher meine eigene haptische Erfahrung gewesen, die mich zu dem bewegt hat, was ich heute mache.

Welches Anliegen verfolgst Du mit Deiner Kunst? Was möchtest Du ausdrücken?

Es sind vor allem Schnittstellen zwischen realem Raum und Bildraum, die mich interessieren. Ich versuche gewissermaßen zu sezieren was mich umgibt. Das zu erfassen, was mir begegnet, es mit Hilfe von Licht und Schatten, Positiv und Negativ, zu erforschen. Es ist ein Wechselspiel aus Machen und Beobachten. Dabei verwebt sich eine sehr direkt Arbeitsweise, bei der ich mir der Entscheidungen, die ich treffe, bewusst bin, mit einer Art Forschungsdrang im Prozess des Malens zusätzliche Entdeckungen zu machen. Dazu gehört auch die Beobachtung der eigenen Wahrnehmung. Wie nehme ich beispielsweise etwas Dreidimensionales wahr, wenn es nur noch zweidimensional abgebildet wird? An welcher Stelle verschiebt sich Dargestelltes zur abstrakt gesehenen Fläche und wird somit bereits im realen Raum zu Malerei? 

Mich interessiert letztlich die Verschiebung zwischen dem, was einen umgibt und einem Bild, was wirklich eindeutig zu sein scheint. Das Balancieren auf dem schmalen Grad zwischen nicht eindeutig wahrzunehmendem Bildsujet und dem Eindruck des Wiedererkennens von Vertrautem erzeugt für mich viel Spannung.

Der Betrachter erhält im Idealfall einen Zugang zu seiner eigenen Wachsamkeit durch die Möglichkeiten der Malerei.
— Natascha Schmitten
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Welche Techniken, Materialien und Formate bevorzugst Du?

Seit einigen Jahren arbeite ich bevorzugt auf einem Polyestergewebe. Der Stoff ist sehr transparent und fungiert somit schon als erste Lasur. Selbst wenn ich seine Lichtdurchlässigkeit mit einer ersten Lasur deutlich reduziere, behält er etwas glasiges und öffnet somit als Basisträger selbst den Raum.

Das Licht des Untergrundes bleibt bis zur letzten Schicht essentieller Bestandteil des Bildaufbaus innerhalb aller Arbeiten, die ich mache. Das ist sowohl bei Zeichnungen, Aquarellen und Lithografien so, als auch bei meinen Malereien.

Größtenteils arbeite ich mit Tusche und Ölfarbe, oft im Wechsel. Die Tusche provoziert mich zu einer gewissen Geschwindigkeit und sehr direkten Setzungen. Durch die Verwendung der Ölfarbe habe ich wiederum die Möglichkeit, auch im Nachhinein noch verschieben zu können oder Farbbrillanz auszufüllen. Fast so, als würde der Farbraum vibrieren und sich verändern, je nach Betrachtungswinkel.

Es ist ein Vor und Zurück der einzelnen Spuren, das meine Arbeit prägt, sowohl in kleinen als auch in großen Formaten. Um das Mittelformat schleiche ich interessanterweise seit Jahren herum.

Wie lange brauchst Du für eine Arbeit?

Das ist schwer zu sagen. Es gibt Arbeiten, die sind nach zwei Wochen fertig, andere wiederum benötigen Monate. Letztlich hängt es aber auch von den Trocknungsprozessen der einzelnen Lasuren ab. Besonders die Ölfarbe benötigt Zeit. Ich arbeite meist an mehreren Arbeiten parallel. Gelegentlich stelle ich aber auch Arbeiten für einige Wochen oder Monate weg, bevor ich an ihnen weiterarbeite.

Wenn Dich ein Kind fragt, was Du malst, was antwortest Du?

Die Fülle alltäglicher Eindrücke.

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Sammelst Du Arbeiten von anderen Künstlern?

Bisher ist es zwar noch eine kleine Sammlung, aber ich freue mich sehr mit den Arbeiten anderer Künstler leben zu dürfen. Besonders die Arbeiten von befreundeten Künstlern wie beispielsweise die von Martin Noel, Vivian Greven, Natascha Borowsky, Dragutin Banic und Gereon Krebber schätze ich sehr.

Was rätst Du anderen jungen Künstlern bzw. Akademie-Absolventen?

Wachsamkeit.

Vielen Dank für das Gespräch, Natascha!



Text & Produktion: Christoph Blank
Fotos: Jennifer Rumbach


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