Kunstmagazin

Katharina Wenzel-Vollenbroich – Die Türöffnerin zu den Ateliers unentdeckter Künstler

Katharina Wenzel-Vollenbroich – Die Türöffnerin zu den Ateliers unentdeckter Künstler

Seit Gründung ihres Unternehmens ARTPIQ im Jahr 2018 ist Katharina Wenzel-Vollenbroich nach drei Jahren Aufenthalt in New York und einem Masterstudium in London zurück in ihrer Heimatstadt Düsseldorf. Die 26-jährige Unternehmerin unterstützt junge Künstler von Kunsthochschulen bei der Vermarktung ihrer Arbeiten und bietet Sammlern und Kunstinteressierten die Möglichkeit, Kunst von talentierten, aufstrebenden Künstlern zu entdecken, zu sammeln und zu fördern. Wir haben uns mit Katharina getroffen, um mehr über ihr Projekt zu erfahren.

Katharina, du hast 2018 ARTPIQ gegründet. Eine Onlineplattform für studierte Künstler, die am Anfang ihrer Karriere stehen. Warum?

Ich habe einige Zeit im Kunstmarkt gearbeitet – jedoch immer im Sekundärmarkt. Je mehr ich mich mit dem Markt auseinandergesetzt habe, Galerien und Auktionen besuchte, desto mehr fehlte mir der Zugang zu lebenden Künstlern. Fragen wie: “Wo beginnt eigentlich die Karriere eines Künstlers?” oder “Was ist mit den Talenten die nicht von Galeristen oder Kuratoren entdeckt werden?” haben sich mir gestellt. ARTPIQ soll genau diese Fragen beantworten, denn hier ermöglichen wir der nächsten Generation von Künstlern mehr Visibilität und einen einfacheren Markteinstieg. ARTPIQ öffnet so die Türen zu den Ateliers unentdeckter Künstler weltweit.

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Warum sollte man als junger Künstler Werke über ARTPIQ verkaufen?

Wir bieten einerseits eine ausgewählt kuratierte Website mit handselektierten Kunstwerken – wir verfolgen bei der Auswahl bestimmte Kriterien und stellen sicher, dass die Werke studierter, ernsthafter Künstler nicht plötzlich in einem Meer von Hobby-Kunst verschwinden. Andererseits bieten wir unseren Künstlern exklusiven Zugang zu von uns organisierten Events wie Pop-up Ausstellungen, bei denen ihre Werke einem neuen Publikum gezeigt werden.

Nach welchen Kriterien sucht Ihr die Künstler aus?

Bei der Auswahl der Künstler gehen wir im ersten Schritt danach, ob der Künstler studiert hat, denn wir möchten die Ernsthaftigkeit des Künstlers in Bezug auf seine Praxis sicherstellen. Im zweiten Schritt schauen wir dann, welchen Innovationsgrad und welche Relevanz im kunsthistorischen Kontext seine Werke beinhalten und ob er bereits einen wiedererkennbaren Stil entwickelt hat. Uns ist es sehr wichtig, dass wir die Kunst sehen und die Künstler kennenlernen, um hier auch die Intention der Werke und den Schaffensprozess zu verstehen.

Warum sollte man in junge Künstler investieren?

Ich denke, dass das Investieren in junge Kunst eine große persönliche Bereicherung ist und einen gewissen Reiz hat – denn wer weiß, wie sich der Künstler entwickelt. Von heute auf morgen könnte sich das Kunstwerk in dein größtes Investment entwickeln. Außerdem denke ich, geht es nicht darum, einen direkten “return” zu erhalten. Mit dem Kauf von junger Kunst ist man vor allem am Puls der Zeit, begleitet einen Künstler und kann sogar, wenn gewünscht, noch eine persönliche Beziehung zu ihm aufbauen. Und das Schöne ist, junge Kunst ist finanziell durch ihren noch relativ niedrigen Preis einer viel größeren Käuferschaft zugänglich.

Welchen Weg sollen Kaufinteressenten gehen? Wie baut man eine Sammlung auf?

Jedes Kunstwerk erzählt eine Geschichte und es gibt immer einen Grund weshalb einen genau dieses eine Werke anspricht – denn ich glaube, dass Kunst, ob figurativ oder abstrakt, uns immer in gewisser Weise in unserer jetzigen Lebensphase widerspiegelt. Bei mir ist es beispielsweise so, dass ich zu jedem Werk ein bestimmtes Gefühl habe und noch genau weiß, in welchem Lebensabschnitt ich es gekauft habe. Eine Kunstsammlung sollte meines Erachtens darauf aufbauen und man sollte sich von der eigenen Intuition leiten lassen. Diese kann man schulen indem man sich so viel Kunst wie möglich und aus den verschiedensten Epochen anschaut.

Kunst als realistisches Investment – wie stehst Du dazu?

Ich denke, dass Kunst als Investment in der Tat möglich ist. Wir sehen auch tatsächlich die Kunst von unseren Künstlern als Investment – denn die Einstiegspreise sind gering, die Künstler ambitioniert und die Ernsthaftigkeit des Schaffensprozesses ist vorhanden, was eine gute Basis für eine potenzielle Wertsteigerung ist. Nicht umsonst sind rund 90 Prozent der Künstler, die auf der Art Basel ausgestellt werden studiert und genau von den Universitäten, von denen auch wir Künstler vertreten, wie beispielsweise der Düsseldorfer Kunstakademie. Aber wie bei jedem anderen Investment auch, läuft man natürlich Gefahr, dass nichts daraus wird. Im Falle der Kunst ist es vielleicht nicht so schmerzhaft, denn was gibt es schöneres als ein Werk an der Wand hängen zu haben, an dem man tagtäglich Freude hat? Abgesehen davon glaube ich, dass es wichtig ist, die Kunst die man kauft zu lieben und es aus einer Überzeugung zu tun. Bei junger Kunst macht es besonders Spaß, da man den Weg des Künstler verfolgen kann und ihn oft auch persönlich treffen kann.

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Sammelst Du Kunst?

Ja, ich sammle auch. Meine Sammlung habe ich mit Werken unserer Künstler wie Sif Norskøv, Ellie Walker und Sin Park begonnen.

Wie wird der Kunstmarkt in 10 Jahren aussehen?

Ich denke, dass der Kunstmarkt mehr und mehr online gehen wird. Außerdem glaube ich, dass die Mega-Player wie Gagosian und andere immer mehr Einfluss erlangen, wohingegen traditionelle Galerien an der Peripherie des Markts weiter “aussterben” werden. Diesem vor allem für die junge Kunst gefährlichen Trend möchte ich mit ARTPIQ entgegenwirken.

Welche drei Ratschläge gibst Du jungen Kunsthochschulabsolventen?

Keine Angst haben zu verkaufen. Den digitalen Raum für mehr Visibilität nutzen – hierzu gehört es auch seine Werke online zu zeigen. Und die Kunst zu erschaffen, die du wirklich erschaffen möchtest und nicht die, für die du glaubst Anerkennung zu erhalten.

Welche neuen Projekte stehen vor der Tür?

Unter anderem ein Award für junge Künstler! Folgt uns daher gerne auf Instagram, um bald mehr zu erfahren.

Vielen Dank für das Gespräch, Katharina!



Fotos: Katharina Wenzel-Vollenbroich


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