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Die Galeristen Daniel Schierke und Ralf Seinecke im Gespräch mit Ruth Polleit Riechert

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Seit 2015 führen Daniel Schierke und Ralf Seinecke die Galerie Rundgænger in Frankfurt. Ihr Programm konzentriert sich auf junge Künstler von Kunsthochschulen. Daniel studierte Kunstgeschichte und Literatur an der Goethe-Universität Frankfurt. Er arbeitete als Kunstführer, Autor und Kurator für die wichtigsten Museen und Kunstinstitutionen in Frankfurt, wie Städel, MMK, Foto Forum oder Art Foyer der DZ Bank. Ralf studierte Rechtswissenschaften, Philosophie, sowie Kunstgeschichte und promovierte in Rechtstheorie. 2018 eröffneten Daniel und Ralf ihre zweite Galerie Schierke Seinecke im Frankfurter Bahnhofsviertel.

Seit 2015 seit Ihr gemeinsam in Sachen Kunst unterwegs. Damals habt Ihr Eure erste Galerie Rundgænger gegründet. Wie kam es dazu?

Wir nehmen seit vielen Jahren in Frankfurt ein großes Interesse an junger Kunst wahr. Das liegt vor allem an der Städelschule, die in der Stadt einen ausgezeichneten Ruf genießt. Viele Galerien zeigen Absolventen der hiesigen Kunstakademie. Der Fokus der Galerie Rundgænger liegt auf jungen talentierten Künstlern, die an anderen renommierten Akademien wie der Kunstakademie Düsseldorf, der HGB Leipzig oder der UdK Berlin studiert haben. Unser Ziel war und ist es, dem Frankfurter Kunstpublikum einen besonderen Einblick zu gewähren, was in anderen Städten in der jungen Szene passiert. Gleichzeitig möchten wir Künstlern eine Plattform bieten, um ihre Arbeiten an einem spannenden Ort wie Frankfurt zu präsentieren und neue Sammler kennenzulernen.

Ihr seid regelmäßig auf allen Rundgängen in Deutschland unterwegs, um neue Talente zu finden. Nach welchen Kriterien sucht Ihr aus? Was ist Qualität für Euch?

Wir schauen nach handwerklich anspruchsvoller Kunst, die auf ungesehene und subtile Art gestaltet ist. Darüber hinaus sollte sie einen visuellen Reiz ausüben, der den Betrachtenden fesselt und dazu einlädt, sich intensiver mit dem Werk des Künstlers auseinanderzusetzen. Außerdem ist uns wichtig, dass sich im Werk des Künstlers ein roter Faden entdecken lässt. Das kann ein bestimmter Stil sein, der in verschiedenen Arbeiten immer wieder variantenreich eingesetzt wird, das kann aber auch ein Konzept sein, dem sich der Künstler verschrieben hat und das sein Œuvre durchzieht und in Bewegung hält. One-Hit-Wonder interessieren uns nicht, sondern es muss eine künstlerische Perspektive erkennbar sein.

Eure zweite Galerie, Schierke Seinecke kam 2018 dazu. Wie unterscheidet sich das Programm beider Galerien?

Die Galerie Rundgænger existiert seit 2015. Wir haben dort viele Künstler ausgestellt, deren Entwicklung wir auch in Zukunft begleiten möchten. Darin besteht die Aufgabe von Schierke Seinecke. Es lag nahe, neben Rundgænger eine Galerie zu gründen, die für einen Stamm außergewöhnlicher Künstler steht. Wir werden nun oft gefragt, wann findet die nächste Ausstellung mit Anna Nero, Arno Beck oder David Borgmann statt? Das lässt sich mit einem Musikfan vergleichen, der neugierig ist, wie das neue Album seiner Lieblingsband klingen wird. Gleichzeitig ist die junge Szene sehr lebendig und die Kunst findet durch die Digitalisierung zu einer völlig neuen Bildsprache. Diese Entwicklung können wir mit Rundgænger weiter begleiten. Einerseits kann man bei Rundgænger immer wieder etwas Neues entdecken und andererseits bei Schierke Seinecke an einer künstlerischen Entwicklung teilnehmen, die sich auf dem Kunstmarkt etabliert.

 
Schierke Seinecke, Ausstellungsansicht mit Gemälden von David Borgmann

Schierke Seinecke, Ausstellungsansicht mit Gemälden von David Borgmann

Galerie Rundgænger, Ausstellungsansicht mit Tiziana Jill Beck, Christian Schellenberger und Claus Georg Stabe

Galerie Rundgænger, Ausstellungsansicht mit Tiziana Jill Beck, Christian Schellenberger und Claus Georg Stabe

Schierke Seinecke, Ausstellungsansicht mit Arbeiten von Robert Vellekoop

Schierke Seinecke, Ausstellungsansicht mit Arbeiten von Robert Vellekoop

Schierke Seinecke, Ausstellungsansicht mit Arbeiten von Anna Nero

Schierke Seinecke, Ausstellungsansicht mit Arbeiten von Anna Nero

 

Wie hat sich der deutsche Kunstmarkt seid Eurem Start geändert und welche Entwicklungen seht Ihr zukünftig?

Das Thema Corona ist am deutschen Kunstmarkt natürlich nicht spurlos vorübergezogen. Vorher verspürte man in der Szene einen zunehmenden Druck, auf Kunstmessen präsent zu sein. Einerseits besteht nun ein großes Bedauern darüber, dass die Messen momentan ausfallen. Andererseits sind viele über den temporären Wegfall der zusätzlichen Belastung erleichtert und hoffen, dass die Sammler und Kunstinteressierten sich wieder verstärkt ihren jeweiligen lokalen Galerienszenen zuwenden. Die digitale Präsenz der Galerien hat auf Social-Media-Kanälen wie Instagram und Online-Verkaufsplattformen wie Artsy in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Ob das den Kauf von Kunst stark befördert, bleibt abzuwarten. Auch die Künstler selbst entdecken ihre eigene Vermarktung über digitale Kanäle. Und dort entsteht auch eine neue Generation von Kunstkäufern, die sich vor allem Online informiert. Aber Kunst verlangt nach einem begehbaren Ort. Nach unserer Erfahrung werden die meisten Kaufentscheidung erst durch das unmittelbare "Erleben" des Kunstwerks getroffen. Dieser Präsenzfaktor ist einer von vielen, warum Galerien auch weiterhin ein Zukunftsmodell darstellen.

Wie sieht Eurer Programm für das Jahr 2021 aus und welche Wünsche und Pläne habt Ihr für die Zukunft?

In der Galerie Rundgænger wird es 2021 viele Duo-Ausstellungen geben. Malerei trifft auf Skulptur. Solche Ausstellungen finden wir immer sehr spannend, weil sich die unterschiedlichen Medien meistens gut ergänzen und eine weitere ästhetische Erfahrung möglich ist. Im Februar beginnen wir mit Winnie Seifert und Hannes Uhlenhaut. Im Sommer sind Fynn Ribbeck und Harm Gerdes zu Gast. Beide kommen von der Kunstakademie Düsseldorf. Im Herbst freuen wir uns auf die tropisch anmutenden Landschaftsgemälde von Theresa Möller aus Leipzig.

Bei Schierke Seinecke beginnen wir das neue Jahr mit Manuel Stehli, gefolgt von Arno Beck, der sich mittlerweile auch in den USA innerhalb der Post-Digital-Szene eine beachtliche Sammlerschaft aufgebaut hat. Zum Saisonstart im September zeigen wir neue Gemälde von David Borgmann. Für das kommende Jahr wünschen wir uns einen möglichst reibungslosen Ausstellungsablauf und ein reges Interesse des hiesigen Kunstpublikums an den neuen Arbeiten unserer Künstler.

www.rundgaenger.de
www.schierkeseinecke.com

Interview: Ruth Polleit Riechert