Magazin

Form follows function – Ein Gespräch mit Morgaine Schäfer

Jennifer_Rumbach_Kunstbar_Morgaine_Schäfer_DSC_6647.jpg
 

Morgaine Schäfer, Jahrgang 1989, lebt und arbeitet in Köln. Von 2010 bis 2017 hat sie an der Kunstakademie Düsseldorf studiert. 2017 erhielt sie den Bergischen Kunstpreis und den Ehrenhof-Preis, 2018 den Förderpreis des Landes NRW. Wir haben die Meisterschülerin von Christopher Williams in ihrem Kölner Studio getroffen.

Wann hast Du angefangen als Künstlerin zu arbeiten? Wann hast Du Dich das erste Mal mit Kunst beschäftigt?

Einen Zeitpunkt, wann ich angefangen habe als Künstlerin zu arbeiten, kann ich so gar nicht bestimmen. Ich habe mich schon seitdem ich denken kann, mit Kunst beschäftigt. In der Schulzeit habe ich mit einer Installations- / Sound-Arbeit an einem Kunstwettbewerb teilgenommen. Sie sollte ein Abbild meines pop-kulturellen Umfelds sein und so gleichzeitig mehrere Referenzen abbilden. Vielleicht zählt das als eine Art Startpunkt, auch wenn ich damals noch nicht daran gedacht hatte, Kunst zu studieren.

Wie war Dein Weg zu dem, was Du heute künstlerisch machst?

Ich habe unglaublich viel technisch ausprobiert bis mich meine Kommilitonen danach gefragt haben, was mich eigentlich daran interessiert. Wobei die Frage viel allgemeiner war: Was interessiert mich in der Welt? Daraufhin ist die erste Selbstporträtarbeit mit dem Dia in der Hand entstanden. Das ist natürlich ein bisschen Nabelschau. Aber es geht viel mehr um die Erkenntnis, dass ich an Geschichte, Erinnerungen und an Einflüssen interessiert bin, die unsere Gesellschaft und jedes Individuum beeinflussen. Und warum nicht exemplarisch bei einem selbst anfangen?

Was inspiriert Dich?

Der tägliche Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen und Freunden und Familie beeinflusst und inspiriert mich immer wieder auf neue Arten und Weisen.

Inwieweit haben die Akademie und Dein Professor Dich und Deine Arbeiten geprägt?

Die Akademie und mein Professor haben vor allem meine Arbeitspraxis geprägt. Also das “Wie” anstatt das “Was”. Es gibt zwei Aussagen, die konstant mein Studium begleitet haben: Sei wie ein Schwamm und nimm alles an Wissen auf, was du kannst. Nutze mich (Professor) und deine Kommilitonen als “sounding board”.

Welches Anliegen verfolgst Du mit Deiner Kunst?

Ich möchte mit meinen Fotografien und Installationen zum Nachdenken über identitätspolitische Themen anregen. Welche Auswirkungen haben Einflüsse wie Kultur, Religion, Familienstruktur und Politik auf Identität? Wie kann ich die damit verbundene Emotionalität darstellen und zwischen subjektivem Affekt und objektiver Betrachtung vermitteln? Mein Anspruch an meine Fotografie und meine Installationen ist es, diese gesellschaftlichen und kulturellen Einflüsse und Themen darzustellen. Sie sollen dazu anregen, sich mit Herkunft, Geschichte und Rolle auseinanderzusetzen. Denn ich finde es sind Themen, die tief in unserem individuellen und gesellschaftlichen Denken und Handeln verankert sind.

Welchen Regeln folgt Dein Stil?

Form follows function?

Welche Techniken und Materialien bevorzugst Du?

Ich arbeite vorzugsweise im Medium Fotografie, aber auch an Objekten, die für sich stehen und in meinen Installationen einen diskursiven Raum eröffnen. Ich mag es, mit Stoff und Metall zu arbeiten. Durch ihre Haptik und Beschaffenheit eröffnen sie für mich Assoziationen zu Privatheit und Öffentlichkeit.

 
Jennifer_Rumbach_Kunstbar_Morgaine_Schäfer_DSC_6628.jpg
Jennifer_Rumbach_Kunstbar_Morgaine_Schäfer_DSC_6593.jpg
Jennifer_Rumbach_Kunstbar_Morgaine_Schäfer_DSC_6631.jpg
 

Gibt es ein Werk, in das Du besonders viel investiert hast?

Für meine Ausstellung “A Touch Of Light” 2018 in der Galerie Fiebach Minninger, habe ich einen sechsteiligen, je 3 x 3 m Vorhang genäht - das war körperlich sehr energieintensiv.

Sammelst Du Kunst?

Ja, ich sammle hauptsächlich von Kolleginnen und Kollegen. Die meisten Arbeiten sind durch Tauschen oder Schenken in meinen Besitz gekommen. Ich kaufe aber auch ab und an Editionen.

Welches Museum beeindruckt Dich?

Am besten kennt man die Museen vor der eigenen Haustür, die einen immer wieder aufs neue beeindrucken. Ich lebe seit etwa drei Jahren in Köln und besuche seitdem regelmäßig das Museum Ludwig. Neben den guten Wechselausstellungen finde ich es interessant zu sehen, wie sich das Haus in kleineren Präsentationen immer wieder kritisch mit seiner Sammlung auseinandersetzt. Zum Beispiel Ende 2019 die Gegenüberstellung von Otto Müller und Peter Nestler.

Welche Ausstellung hast Du zuletzt besucht?

Im Sommer habe ich immer wieder sehr viel Zeit in der Ausstellung “Dynamische Räume” von Romina Dümler im Museum Ludwig in Köln verbracht und seit einigen Wochen hat die Neupräsentation der zeitgenössischen Kunst “John Dewey, who?” im Museum Ludwig geöffnet.

 
Jennifer_Rumbach_Kunstbar_Morgaine_Schäfer_DSC_6622.jpg
Jennifer_Rumbach_Kunstbar_Morgaine_Schäfer_DSC_6624.jpg
Installationsansicht, Ausstellung “A Touch Of Light”, Galerie fiebach, minninger Köln, 2018, Foto: Martin Plüddemann

Installationsansicht, Ausstellung “A Touch Of Light”, Galerie fiebach, minninger Köln, 2018, Foto: Martin Plüddemann

Installationsansicht, Ausstellung “Stiftungspreis Fotokunst 2020: Gegenwart | Erinnerung”, Kunstwerk Sammlung Klein Eberdingen-Nussdorf, 2020, Foto: Morgaine Schäfer

Installationsansicht, Ausstellung “Stiftungspreis Fotokunst 2020: Gegenwart | Erinnerung”, Kunstwerk Sammlung Klein Eberdingen-Nussdorf, 2020, Foto: Morgaine Schäfer


 

Eine typische Angewohnheit von Dir?

Wochenlanges Reden über Ideen und Skizzen mit Freunden bevor ich einen Dummy erstelle oder mich an die Produktion mache.

Kannst Du uns einen typischen Arbeitstag beschreiben?

So einen richtigen typischen Arbeitstag habe ich eigentlich nicht. Ich arbeite in verschiedenen Phasen. Teilweise lese und recherchiere ich wochenlang. Dann gibt es Wochen, in denen ich viel ausprobiere. Wenn es dann an die Produktion oder eine Ausstellung geht, fällt daneben auch sehr viel Büro- und Organisationsarbeit an.

Wie sind Deine Erfahrungen im Kunstmarkt und was rätst Du jungen Künstlern bzw. Akademie-Absolventen?

Jeder muss eigene Erfahrungen sammeln. Aber ich empfehle, sich spätestens mit dem Abschluss des Studiums mit dem Thema Selbstständigkeit auseinanderzusetzen. Denn Rechnungen schreiben, Versicherungen, Altersvorsorge und Einkommensteuer gehören genauso zum Arbeitsalltag wie die künstlerische kreative Arbeit im Atelier.

Was zeichnet die Kunstszene in Düsseldorf und Köln für Dich aus?

Es gibt ein breites Angebot an Museen, Galerien, Kunstvereine, Off Spaces, die ein tolles und vielschichtiges Programm auf die Beine stellen. Daneben gibt es großartige Initiativen, wie z. B. And She Was Like Bäm oder das Landesbüro für Bildende Kunst kurz “LaB K”.

Was können wir in nächster Zeit von Dir sehen? An welchen Projekten und Ideen arbeitest Du momentan?

Aktuell sind Arbeiten von mir in der Gruppenausstellung “Gegenwart / Erinnerung” im Kunstwerk Sammlung Klein in Eberdingen-Nussdorf zu sehen. Im Rheinland werde ich im November mit der Galerie fiebach, minninger auf der Art Cologne neue Arbeiten zeigen – sofern sie coronabedingt nicht kurzfristig ausfällt.

 
Jennifer_Rumbach_Kunstbar_Morgaine_Schäfer_DSC_6633.jpg
 

www.morgaineschaefer.com

Interview und Produktion: Christoph Blank
Fotos: Jennifer Rumbach

Buy selected works by Morgaine Schäfer

 
Kunstbar-Morgaine-Schaefer_Edition.png

Detail (Sisters)
17 x 21 cm (ungerahmt)
Auflage: 10 – erhältlich: Nr. 3, 4, 5
300 EUR