Kunstmagazin

Sara Cwynar und Sophie Thun – Stipendiatinnen der DZ BANK Kunstsammlung

Sara Cwynar und Sophie Thun – Stipendiatinnen der DZ BANK Kunstsammlung

Die DZ BANK Kunstsammlung hat erneut zwei Arbeitsstipendien an herausragende Künstlerinnen vergeben, deren Schaffensprozess maßgeblich vom Fotografischen geprägt ist. Einvernehmlich kam die Jury zu dem Ergebnis, dass die eingereichten Projektideen von Sara Cwynar und Sophie Thun aus den 51 Bewerbungen am stärksten überzeugten. Zu den ersten fünf Kandidaten der Auswahl zählen zudem Katharina Dubovska, Philipp Goldbach und Talisa Lallai.

Die diesjährige Jury setzte sich zusammen aus Felix Hoffmann (Hauptkurator, C/O Berlin Foundation), Dr. Mario Kramer (Sammlungsleiter und Kurator, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main), Dr. Christina Leber (Leiterin, DZ BANK Kunstsammlung, Frankfurt am Main) Alexandra Lechner (Freie Fotografin und Kuratorin, Frankfurt am Main, sowie in Vertretung Albrecht Haag), Christin Müller (Freie Kuratorin, Leipzig), Gertrud Peters (Künstlerische Leitung KIT - Kunst im Tunnel, Düsseldorf) und Kathrin Schönegg (Kuratorin, C/O Berlin Foundation).

Die DZ BANK Kunstsammlung vergibt alle zwei Jahre ein Projektstipendium an Künstlerinnen und Künstler, die sich mit dem “Fotografischen” im weitesten Sinne auseinandersetzen. Mit dem Stipendium soll den Preisträgerinnen Sara Cwynar und Sophie Thun die Möglichkeit geboten werden, ein Jahr lang intensiv an ihren eingereichten künstlerischen Projekten zu arbeiten. Im Herbst 2020 werden die neu entstandenen Arbeiten gemeinsam mit ausgewählten Werken von Katharina Dubovska, Philipp Goldbach und Talisa Lallai im Art Foyer der DZ BANK Kunstsammlung zu sehen sein. Alle in der Ausstellung gezeigten Werke werden für die Sammlung erworben. So kommt das Stipendium nicht nur den Preisträgern zugute, sondern auch drei weiteren Kunstschaffenden, die durch den Ankauf gefördert werden.

Sophie Thun

Sophie Thun (geboren 1985 in Frankfurt am Main, lebt und arbeitet in Wien) experimentiert mit den apparativen Bedingungen der Fotografie und der Repräsentation des Körpers und setzt diese in Beziehung zu den Orten der Produktion und anschließenden Ausstellung der Bilder. Ihre Arbeiten sind komplexe künstlerische Interventionen, in denen sie verschiedene Bildebenen und fotografische Verfahren übereinanderschichtet. Dadurch wird unsere Wahrnehmung ebenso destabilisiert wie sich die Darstellung von Identität als widersprüchlich erweist. Im Rahmen des Projektstipendiums wird die Künstlerin ein Selbstporträt erstellen, das ihren Lebensraum mit den Produktionsumständen ihrer Arbeit verbindet. Dafür plant Sophie Thun, sämtliche Gegenstände in ihrer Einzimmerwohnung zu fotografieren, die 1:1 auf Großformatnegative passen. Die Negative wird sie als Kontaktkopien ausbelichten – und zugleich als Bildproduzentin körperlich in Erscheinung treten, indem etwa ihre Hände als weiße Leerstellen auf dem Fotopapier sichtbar werden.

Sara Cwynar – Foto: Jody Rogac

Das Werk von Sara Cwynar (geboren 1985, Vancouver, Kanada, lebt und arbeitet in Brooklyn, New York) entsteht vornehmlich aus einem Archiv bekannter Bilder der Fotografiegeschichte und einer persönlichen Sammlung an Bildmaterialien, welche die Künstlerin durch verschiedene analoge und digitale Kombinationsverfahren neu präsentiert. So erhalten ihre Fotografien zunächst einen skulpturalen Charakter. Diese Objekte lichtet Cwynar ab und arrangiert die entstandenen Bilder zu einer Collage, um diese erneut zu fotografieren. Sara Cwynar untersucht die Zirkulation von Bildern und deren Bedeutungswandel. Sie überprüft, wie sich im Verlauf der Zeit die Transformation von Bildwelten in verschiedenen Kulturen manifestiert. Es geht also um die Natur fotografischer Bilder, ihre visuellen Codes und die Frage, wie diese mit kollektiven Bildkulturen verstrickt sind. Für ihr Projekt lenkt sie den Blick auf die Ideologien, die der westlichen Kunstgeschichte und ihren musealen Sammlungen zugrunde liegen. Mit Referenz auf John Bergers Videoarbeit “The Ways of Seeing” (1972) wird sie sich zudem mit Fragen zum Thema Rassismus und Gender beschäftigen.

Die DZ BANK Kunstsammlung in Frankfurt umfasst nach über 25jähriger Sammlungstätigkeit rund 8.000 Kunstwerke von über 800 internationalen Künstlern. Ihr Schwerpunkt liegt auf zeitgenössischer Kunst in Auseinandersetzung mit dem fotografischen Medium. Im öffentlich und kostenlos zugänglichen “Art Foyer” werden jährlich drei bis vier Ausstellungen gezeigt, die auf verschiedene Weise das Sammlungskonzept reflektieren.



Foto Jury: v.l.n.r. Felix Hoffmann, Abrecht Haag, Kathrin Schönegg, Christin Müller, Dr. Mario Kramer, Alexandra Lechner, Dr. Christina Leber und Gertrud Peters


Amparo Sard and Ruth Polleit Riechert in a Conversation – Studio Visit on Mallorca

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