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Florence Lazar – Was wärst du ohne mich

Florence Lazar – Was wärst du ohne mich

Im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst wird am 17.05.2019 die Ausstellung “Was wärst du ohne mich” (bis 21.7.2019) von Florence Lazar eröffnet. Die Einzelpräsentation führt zwei wesentliche Werkserien Lazars zusammen. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Galerie nationale du Jeu de Paume, Paris (Museum für zeitgenössische Kunst).

Die Einzelausstellung der in Paris lebenden Künstlerin Florence Lazar führt zwei ihrer wesentlichen Werkserien der vergangenen 10 Jahre zusammen. Aus der zwischen 2008 und 2012 entstandenen Arbeit “jeune militant” (Der junge Kämpfer) werden Fotografien und eine Videoarbeit gezeigt. Damit verknüpft werden fotografische Portraits, die im Kontext eines Auftrags für Kunst am Bau für ein Collège in Paris entstanden sind.

“Jeune militant” thematisiert die Auseinandersetzung eines Heranwachsenden mit der Geschichte seines Großvaters, dessen Biographie und der resultierenden gesellschaftspolitischen Haltung. Anhand ausgewählter Bücher aus seiner persönlichen Bibliothek erzählt der “alte Herr” über sein Weltbild und sein Engagement in der sozialistischen Partei Frankreichs u. a. als Konsequenz seiner Lebenserfahrungen als Adoleszenz in den 1930er- und 1940er-Jahren.

Der Portraitzyklus, der Jugendliche des Collége Aimé Césaire in Paris abbildet entstand als Teil eines Kunst-am-Bau-Auftrags und markierte den Schlusspunkt eines fast zweijährigen Prozesses der Zusammenarbeit mit den Schülern. Nahezu alle Beteiligten besitzen in der zweiten oder dritten Generation eine französische Staatsbürgerschaft. Vielfach ist die kulturelle und staatliche Vergangenheit der Vorfahren an Migrationsgeschichte geknüpft und teilweise kolonialbedingt. Da das Wissen um historische Entwicklungen und kulturelle Bedingungen als rudimentär zu bezeichnen war, implizierte auf Vorschlag der Künstlerin der Prozess der künstlerischen Arbeit einen Recherchebereich, der die Beteiligten über den Zeitraum von eineinhalb Jahren in die Bibliothek der französischen Nationalversammlung führte. Dort wurden die Jugendlichen mit Literatur, Dokumenten und Artefakten an Migrationsgeschichte herangeführt. Am Ende des Prozesses wählten alle Teilnehmer ein Objekt aus mit dem sie – von der Künstlerin inszeniert – fotografisch portraitiert wurden.

Der Ausstellungstitel ist dem 1969 erschienen Theaterstück “Une tempete / Ein Sturm” des afrokaribisch-französischen Schriftstellers und Politikers Aimé Césaire (1913–2008) entnommen. Das Stück adaptiert das gleichnamige Werk von William Shakespeare und transferiert Charaktere und Handlungen zum Black Theater. Aimé Césaire gilt als einer der wichtigsten Aktivisten und Visionäre der französischen Kolonialgeschichte, der zwischen Frankreich und dem Übersee-Department Martinique lebte und weltweit agierte.

Sowohl die Fotografien als auch die Videoarbeit von Florence Lazar stellen formale sowie methodische Referenzen zur dokumentarischen Fotografie, aber ebenso der Portraitmalerei des 19. Jahrhunderts her.

Florence Lazar (geb. 1966) lebt und arbeitet in Paris. Sie ist Professorin an der Kunstakademie Valence-Grenoble und ist eine der international renommierten Künstlerinnen Frankreichs ihrer Generation.



Foto: Florence Lazar, Luttes, 2008, Fotografie © Künstlerin


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