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Artist’s Talk mit der Künstlerin Anna Nero im Labor der Opelvillen in Rüsselsheim

Artist’s Talk mit der Künstlerin Anna Nero im Labor der Opelvillen in Rüsselsheim

Am 29. Juli 2018 kamen rund 30 Kunstinteressierte zum Artist’s Talk mit der Künstlerin Anna Nero und der Kunsthistorikerin Dr. Ruth Polleit Riechert in das Labor der Opelvillen in Rüsselsheim.

In einem halbstündigen Gespräch konnten die Zuhörern die Künstlerin kennenlernen und mehr über ihre Laufbahn, Arbeitsweise und Motivation erfahren. Die Gäste befanden sich dafür inmitten ihrer aktuellen Ausstellung mit dem Titel "formula", für die die Künstlern sechs neue Leinwände und drei Keramiken entwickelt hat. Seit Ende Juni nutzt sie das "Labor" als Gastatelier. Die Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen in Rüsselsheim stellt diesen Raum regelmäßig jungen Künstlern als Arbeits- und Ausstellungsraum zur Verfügung. Ein Gremium entscheidet über dessen Vergabe.

Anna Nero ist Meisterschülerin von Heribert C. Ottersbach in Leipzig, bei dem sie ein zweijähriges Meisterschülerstudium absolvierte und im vergangenen Jahr abschloss. Sie war von 2011 bis 2017 Stipendiatin des Cusanuswerks. Das Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig hatte sie bereits 2015 mit Auszeichnung bei Professor Ingo Meller abgeschlossen. Zuvor studierte sie bildende Kunst bei Professor Anne Berning an der Kunsthochschule Mainz. Anna Nero wurde 1988 in Moskau geboren und kommt aus einer Künstlerfamilie. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt und Leipzig. Ihre Arbeiten waren bereits in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen zu sehen.

Das Gespräch führte die Kunsthistorikerin Dr. Ruth Polleit Riechert.

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Anna, Du kommst aus einer Künstlerfamilie und hast schon in frühen Jahren die Arbeit Deiner Eltern und auch Deiner Grossmutter verfolgt. Hatte das Einfluss auf Deine Berufswahl?

Ich kam durch meine Familie früh mit Malerei aber auch mit Photoshop in Berührung, da mein Vater Grafiker ist. Allerdings wusste ich lange Zeit nicht, ob es wirklich das ist, was ich beruflich machen will. Ich habe drei Monate ein Praktikum in einer Werbeagentur gemacht und mich zu Tode gelangweilt. Da wusste ich, dass ich lieber Bildende Kunst studieren will anstatt Design.

Nach dem Abitur hättest Du mit Deinem hervorragenden NC auch Medizin studieren können. Was hat Dich bewogen, die Künstlerlaufbahn einzuschlagen?

Ich wollte schon immer etwas mit meinen Händen machen. Also wäre Chirurgin durchaus in Frage gekommen. Im Büro sitzen ist für mich ein Albtraum, früh aufstehen auch. Also wäre Chirurgin wahrscheinlich doch nicht der richtige Beruf.

Es gibt ja auch künstlerische Praktiken, die weniger materialbezogen sind, aber ich habe mich für die Malerei entschieden, weil es eben ein sehr handwerkliches Medium ist. Das Gleiche gilt natürlich für Bildhauerei. Ich möchte auf jeden Fall einer künstlerischen Tätigkeit nachgehen.

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Deine Ausstellung heute Abend heisst "formula". Wir sehen viele Keramiken. Das ist neu. Wie kam es dazu und welche Bedeutung hat der Titel?

Die Keramiken sind erst in den letzten Paar Monaten entstanden. Vor meinem Diplom an der HGB Leipzig habe ich auch mal Objekte aus Modelliermasse und Fimo gemacht. Mein damaliger Professor jedoch mochte sie nicht besonders und so hat sich das verlaufen. Aber eigentlich sind diese Objekte eine logische Fortführung meiner malerischen Arbeit und meines Interesses an Gegenständen jeglicher Art: Sextoys, Spielzeug, Design, Nippes.

Der Titel formula (dt. "Formel") bezieht sich auf meine Arbeitsweise, die ich wie eine Formel immer wieder anwende, um zum Bild zu gelangen. Und er passt gut zum Labor der Opelvillen. 

Was konntest Du speziell in den Opelvillen entwickeln? Wie hat die Umgebung auf Dich gewirkt?

Mir gefällt dieser etwas düstere gefließte Kellerraum. Er hat was von Fetischkeller. Dadurch, dass es hier auch kein Wlan gibt, konnte ich mich auch gut konzentrieren in den letzten vier Wochen. Alle Arbeiten, die zu sehen sind, habe ich hier entwickelt.

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Du warst Meisterschülerin bei dem international bekannten Professor Heribert C. Ottersbach in Leipzig, der sehr fortschrittlich auch Motive am Bildschirm komponiert. Fließen Anregungen von ihm in Deine Arbeit ein?

Heribert hatte in seiner Klasse immer sehr unterschiedliche Positionen. Er ist defintiv kein Professor, der sich viele kleine neue "Ottersbachs" heranzieht. Seine Arbeitweise hatte wenig Einfluss auf meine. Sehr wohl aber die Gespräche und seine Erfahrung. Ich plane meine Arbeit auch nicht am Computer vor, auch wenn sie manchmal an digitale Bildwelten erinnern.

Das besondere an Deinen Arbeiten ist auch der Titel, der oft sehr viel Humor beinhaltet. Woher nimmst Du Deine Themen? Was interessiert Dich besonders?

Da ich mit festgelegten Parametern und Prozessen arbeite, gibt es kein Thema. Das Bild malt sich sozusagen selbst. Der humoristische Aspekt entsteht dadurch, dass sich in meiner Arbeit das Material, also die Farbe, verselbstständigt und zum Subjekt des Bildes wird. Pinselstriche werden zu Würmchen, Schlangen, Blitzen oder Pimmel. Wenn ich am Ende des Arbeitsprozesses das Gefühl habe, ein bestimmtes Narrativ drängt sich auf, so gebe ich dem Bild einen Titel, der diese Assoziation bestärkt. So heißen meine Bilder Teenagers Room, Hostel oder In da Club.

Pinselstriche werden zu Würmchen, Schlangen, Blitzen oder Pimmel.
— Anna Nero
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Wie geht es weiter, was kommt als Nächstes? Du gehst für ein halbes Jahr in die USA?

Ich gehe mit einem Stipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen für drei Monate nach Columbus, Ohio. Ich habe keine Ahnung was da genau passieren wird. Vielleicht mache ich noch mehr Objekte. Auf jeden Fall will ich professionell mit einer Pistole schiessen lernen.

Vielen Dank für das Gespräch, Anna!

Ab September wird Anna Nero für drei Monate ein Stipendium in Ohio, USA, beginnen. Neben zwei weiteren Ausstellungen in Leipzig und Zwickau, werden ihre Arbeiten im November in einer Gruppenausstellung in der Ausstellungshalle 1A in Frankfurt mit drei weiteren Künstlern, mit denen sie in Mainz studiert hat, zu sehen sein. Das RPR ART LAB stellt den Künstlern einen Ausstellungsraum zur Verfügung, um dafür neue Arbeiten zu entwickeln. Die Ausstellung wird von Dr. Ruth Polleit Riechert von RPR ART organisiert.



Fotos: Anna Nero, Charlotte Martin (Anna Nero)


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