Art Magazine – Curated Art – Public Relations

Bilder sollen etwas Selbständiges sein - Wilhelm Beermann im Gespräch zur gemeinsamen Ausstellung mit Ina Gerken, Jonas Maas und Anna Nero

Bilder sollen etwas Selbständiges sein - Wilhelm Beermann im Gespräch zur gemeinsamen Ausstellung mit Ina Gerken, Jonas Maas und Anna Nero

Am Donnerstag, 8. November 2018 eröffnet in der Frankfurter AusstellungsHalle 1A die Ausstellung “RPR ART Lab: Wilhelm Beermann, Ina Gerken, Jonas Maas, Anna Nero”. Die vier Meisterschüler zeigen ihre Werke erstmalig als Gruppe in Frankfurt und haben ihre Ausstellung eigens für den Frankfurter Offspace entwickelt. Sie kennen sich vom gemeinsamen Studium an der Kunsthochschule Mainz. Zur Eröffnung spricht Iris Hasler vom Städel Museum.

Im Vorfeld haben wir Wilhelm Beermann in seinem Studio in Düsseldorf zum Gespräch getroffen.

kunstbar_wilhelm_beermann_4.jpg

Wilhelm, wie kam es zur Gruppenausstellung in Frankfurt? Habt Ihr Euch gemeinsam vorbereitet?

Ina Gerken, Anna Nero, Jonas Maas und ich kennen uns vom gemeinsamen Studium an der Kunsthochschule Mainz. Ina, Jonas und ich haben unser Studium In Düsseldorf fortgesetzt und Anna in Leipzig. Wir sind in Kontakt geblieben und als wir Ruth von RPR ART kennenlernten, entstand die Idee, eine Ausstellung in Frankfurt zu realisieren.

Im Juni haben wir uns gemeinsam die AusstellungsHalle angesehen. Wir haben anschliessend überlegt, wie wir den Raum gestalten und wie viele Bilder wir zeigen wollen. Dafür arbeiten wir mit Modellen. Der Raum hat uns zur Entwicklung neuer großer Arbeiten inspiriert, die wir nun ausstellen.

Meine Bilder sollen etwas Selbständiges sein. Ich möchte Bilder malen, die immer im Jetzt sind, wie ein Spiegel.
— Wilhelm Beermann

Deine früheren Bilder sind mit Öl auf Leinwand gemalt. Wie malst Du heute?

Im Laufe der Zeit habe ich neue Materialien in der Malerei für mich entdeckt. Für das, was ich zur Zeit mache, ist Lack und die glatte Oberfläche des Aluminiums als Bildträger gut geeignet, denn die Oberfläche reflektiert so Raum, Licht und Betrachter. Die Farben sind meist gesättigt, die Kanten hart, aber nicht mit dem Lineal gezogen und die räumliche Illusion flach und tief. Farbe trage ich mit Pinsel oder Spachtel auf, oder nehme sie mit Schleifgerät oder mit Lösemittel wieder ab, wenn der Lack noch nicht nicht ausgetrocknet ist. Die Spuren bleiben gut lesbar und der Prozess nachvollziehbar, wenn man sich als Betrachter Zeit nimmt.

Das Repertoire an Kompositionen ist sehr verschieden: Linien, Raster, Texturen unterschiedlichster Art, geometrische und organische Formen spielen verschiedene Ordnungen durch, bis ein zufriedenstellender Abschluss erzielt wird.

kunstbar_wilhelm_beermann_3.jpg

Gibt es etwas, das Du dem Betrachter vermitteln möchtest?

Meine Bilder sollen etwas Selbständiges sein. Ich möchte Bilder malen, die immer im Jetzt sind, wie ein Spiegel. Das, was ich im übertragenden Sinn ausdrücken will, bekommt durch mein Material, den Lack, eine physische Entsprechung. Ich glaube daran, dass ein Bild sowohl dessen Urheber als auch dessen Betrachter in optischer, kognitiver, emotionaler und spiritueller Hinsicht eine reflektierte Erfahrung eröffnen kann. Ich freue mich, wenn meine Bilder dem Betrachter einen neuen Blickwinkel geben und einen Dialog anstoßen, der über eine formale Betrachtung hinausgeht.

Vielen Dank für das Gespräch, Wilhelm!

IMG_4179.jpg
kunstbar_wilhelm_beermann_6.JPG
kunstbar_wilhelm_beermann_5.jpg

Künstler der Ausstellung

Wilhelm Beermann (Jahrgang 1985 und Meisterschüler von Professor Thomas Grünfeld, Kunstakademie Düsseldorf) schafft Bilder, die weder eine bestimmte Zeit noch einen bestimmten Raum darstellen sollen und sehr reduziert in Farbe und Form sind. Dafür setzt er Lack und die glatte Oberfläche von Aluminium ein.

 Wilhelm Beermann

Wilhelm Beermann

Ina Gerken (Jahrgang 1987 und Meisterschülerin von Professor Katharina Grosse, Kunstakademie Düsseldorf) lässt ihre Bilder während des Malprozesses entstehen und arbeitet dafür mit Acrylfarben, Polyesterleinwand und Japanpapier. Damit sieht sie eine Parallele zum menschlichen Dasein: Nichtwissen zu akzeptieren und darauf zu vertrauen, dass eine Ordnung entsteht.

 Ina Gerken

Ina Gerken

Jonas Maas (Jahrgang 1985 und Meisterschüler von Professor Tomma Abts, Kunstakademie Düsseldorf) verbindet in seinen Arbeiten digitale und analoge Malerei. Durch die im Bild eingebauten Verstrebungen, die über den Bildrand hinausragen, rückt er den Übergang zwischen Bild und Wand neu ins Auge des Betrachters.

 Jonas Maas

Jonas Maas

Anna Nero (Jahrgang 1988 und Meisterschülerin von Professor Heribert C. Ottersbach, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig) wechselt in ihren Arbeiten zwischen strengen geometrischen Formen und verspielten Pinselstrichen hin und her: In ihrem Werke geht es um die Ambivalenz zwischen dem Systematischen und dem Intuitiven.

 Anna Nero

Anna Nero


Eröffnung: Donnerstag, 08. November 2018, 19:00 Uhr in Anwesenheit der Künstler
Wo: AusstellungsHalle, Schulstr. 1A, 60594 Frankfurt
Wann: 09. bis 11. November 2018 jeweils von 14:00 bis 17:00 Uhr

www.ausstellungshalle.info


Gruppenfoto: Neven Allgeier


Bilder müssen in die Welt hinaus - Ruth Polleit Riechert im Gespräch mit Carolin Israel

Bilder müssen in die Welt hinaus - Ruth Polleit Riechert im Gespräch mit Carolin Israel