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Kunst vermag mehr, als man ihr gemeinhin zubilligt - Ein Gespräch mit Detlev Foth

Kunst vermag mehr, als man ihr gemeinhin zubilligt - Ein Gespräch mit Detlev Foth

Wenn es um Malerei geht, scheint alles bereits gesagt und bleibt ebenso wie zu allen Zeiten letztlich unbeantwortet. Bediente sich die Malerei der Worte, könnte sie auf ihre ihr eigene und die sie bedingende Formen- und Bildsprache verzichten.

Und obwohl dies so ist und gerade weil dies so ist, reizen Versuche, die Malerei und vornehmlich natürlich die eigene Malerei zu erklären, einen Maler immer wieder. Detlev Foth wagt diesen Versuch und weist darauf hin, dass seine Ausführungen keinen wissenschaftlichen Anspruch erheben wollen und können. Er versucht lediglich, seine persönlichen Erfahrungen und Ansichten mitzuteilen, in der Hoffnung, beim Leser Neugier und Interesse zu wecken.

Detlev Foth kommt im Jahr 1959 in Münster in Westfalen zur Welt. Schon als junger Mann arbeitet er mit Kurt Link zusammen, der in Düsseldorf als Künstler tätig ist. 1979 nimmt Detlev Foth dann selbst ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie auf und wird 1985 Meisterschüler bei Rissa. Detlev Foth lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Was ist Kunst? Diese häufig und in hartnäckiger Weise formulierte Frage wird ebenso oft gestellt wie notdürftig und zumeist falsch beantwortet. Diese Frage ist durchaus legitim, wenn auch naiv. Eine solche Frage sollte erst, wenn überhaupt, nach eingehenden Studien der Kunst im Allgemeinen und der Malerei im Besonderen, gestattet sein. Dies behauptet Foth aus dem einfachen Grund, weil sich nur durchvergleichendes Studium von malerischen Werken eine Sichtweise des Sehens, ein sogenanntes sicheres Auge, entwickeln kann. Man erspart sich einige Mühe und sehr viel Zeit, indem man überdies zunächst versucht herauszufinden, was keine Kunst ist und keine sein kann.

Es gibt dieses bekannte Bonmot von Max Liebermann: Kunst kommt von Können- käme es von Wollen, hieße es Wulst. Das ist heiter, aber nicht sehr klug. Weiser erscheint Foth ein Gedanke von Theodor W. Adorno: Der Zweck des Kunstwerks ist die Bestimmtheit des Unbestimmten.

Nehme ich den Zweck des Kunstwerkes als seinen Sinn und seine Bedingung, und betrachte ich den Willen, das Unbestimmte zu bestimmen, als unbedingt, so wäre das eine Definition, die meiner Ansicht entspricht und die der Liebermanns im Grunde widerspricht.
— Detlev Foth

Es führt nicht weit, wenn man das Wesen und den Wert von Malerei auf rein handwerkliche Qualität reduziert. Kunst vollzieht sich erst dann, wenn es die rein handwerkliche Qualität hinter sich lässt, sich möglichst weit von ihr entfernt.

Wenn man ernsthaft über Kunst spricht, so ist vorauszusetzen, dass man Kunst meint, die selbstverständlich auf einem handwerklich hohen Niveau basiert, ansonsten wäre der Versuch einer Begriffsbestimmung unseriös.

Die Bestimmtheit des Unbestimmten zu bezeichnen, das ist das Kunstwerk. In der Landschaftsmalerei bedeutet das: die Landschaft hinter der Landschaft darzustellen, das Wesen der Landschaft also. In der Portraitmalerei: die psychologische Analyse des Dargestellten über eine vorauszusetzende äußerliche Ähnlichkeit hinaus bildnerisch vorzunehmen. In der Aktmalerei: das über die Nacktheit Hinausgehende aufzuzeigen, in der Architekturmalerei, die über rein perspektivische Feststellungen und Unterstreichungen des Faktischenhinausgehende bildnerisch sich manifestierende Wahrnehmung zu formulieren.

Um sich der Kunst, in diesem Fall der bildnerische Kunst, anzunähern, sollte man versuchen, sein Sehen zu schärfen, sein Sehen vielmehr neu zu erlernen wie das Vokabular einer neuen Sprache. Man sollte sich eine Unschuld des Sehens zurück erobern bei gleichzeitigzu erhöhendem und zu verfeinerndem Reflektionsniveau.

Man mag Foth verzeihen, dass er nur knapp auf die gängige Formel, Kunst sei, was gefalle, eingeht. Diese Ansicht ist, einmal davon abgesehen unendlich töricht zu sein, grundfalsch. Was nicht gefällt, kann durchaus hohe Kunst sein. Wirklicher Kunstgenuss und damit einhergehende Erkenntnis setzt, entgegen weit verbreiteter Ansicht, tatsächlich eine relative Bildung voraus. Einzige Ausnahme bildet die kindhafte Kunsterschließung.

Kunst vermag mehr, als man ihr gemeinhin zubilligt, sie ist unabhängig, nicht zu bändigen, geht ausschließlich eigene und stets unvorhersehbare Wege, sie erfindet die Welt immer wieder neu, ist nahezu nicht kategorisierbar, es sei denn auf sehr grobe Art, sie ist, mit einem Wort, unerträglich eigenartig. Und daher ist das Verhältnis zwischen den Kunstwerken und Ihren Liebhabern immer ein schwieriges und das Verhältnis zwischen ihnen und denen, die sie nicht oder falsch verstehen, von ganz eigener Art.



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