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Wilhelm Beermann im Gespräch mit Ruth Polleit Riechert

Wilhelm Beermann im Gespräch mit Ruth Polleit Riechert

Wilhelm Beermann wurde 1985 in Herten, Nordrhein-Westfalen, geboren. Obwohl er als Kind bereits sehr viel gezeichnet hatte, absolvierte er nach der Schule zunächst eine Ausbildung in der Modebranche. Einer seiner Kunden, der selbst Maler war, machte ihn auf Kunst aufmerksam. Daraufhin bewarb sich Wilhelm an der Kunstakademie in Mainz und begann das Studium der Bildenden Kunst. 2014 wechselte er an die Kunstakademie Düsseldorf in die Klasse von Professor Thomas Grünfeld und schloss das Studium 2017 dort ab. Seit 2013 sind seine Arbeiten in vielen Ausstellungen zu sehen. Der Künstler lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Auf der Absolventen-Ausstellung an der Kunstakademie Düsseldorf hatte Wilhelm fünf aussergewöhnliche Arbeiten ausgestellt. Einige dieser Arbeiten sind nun online in der Ausstellung bei RPR ART zu sehen und zu kaufen. Für das Interview hat Ruth den Künstler in seinem Düsseldorfer Atelier besucht.

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Wilhelm, wann hast Du angefangen als Künstler zu arbeiten und warum?

Nach der Schule war es für mich aus familiären Gründen naheliegend, eine Ausbildung in der Modeindustrie zu machen, aber ich habe schnell gemerkt, dass das nicht mein Weg ist. Einer meiner Kunden, dem meine Arbeiten gefallen haben, ist Künstler und hat mich zu sich in sein Atelier eingeladen. Ich wusste schon zu diesem Zeitpunkt, dass ich nach der Ausbildung nochmal studieren möchte. Ich habe mich dann an der Kunstakademie in Mainz beworben und bin dort auch genommen worden. Nachdem ich mein Vordiplom gemacht habe bin ich nach Düsseldorf gewechselt.

Ich male, weil es die einzige Beschäftigung ist, bei der ich wirklich zur Ruhe komme. Bücher oder Bildschirme funktionieren aber auch ganz gut. Das Objekt vor mir muss rechteckig sein und darin haben dann die Augen Ruhe.
— Wilhelm Beermann

Wer oder was hat Dich beeinflusst?

Schon vor dem Studium habe ich mir sehr viel Kunst angesehen. Ich bin ein ganz großer Museumsgänger und erlaube mir totaler Fan von verschiedenen Künstlern zu sein. Los ging`s mit Gauguin. Da war ich vielleicht elf oder zwölf.  Als ich mir dann zu Beginn meines Studiums Cézanne anschaute, platzte für mich der Knoten und ich begann mich ernsthaft mit Malerei auseinanderzusetzen. In Cézannes Ansichten vom Mont Ventoux flimmert und transzendiert alles. Indem er in seinen Arbeiten Formen leugnete, wollte er der Malerei die Malerei austreiben. Die Konsequenz, mit der seine Haltung verfolgt hat, und die Qualität der dabei abfallenden Arbeiten hat mein Denken über das Malen nachhaltig geprägt.

Ich glaube, dass Malerei viel mit Nachahmung zu tun hat. Das lebendige Sujet und die Werke großer Künstler im Hinterkopf - beides beeinflusst das entstehende Werk.
— Wilhelm Beermann

Brice Marden hat zum Beispiel versucht zu malen wie Manet und trotzdem etwas ganz Eigenes gemacht. Mary Heilmann, Ellsworth Kelly. Blinky Palermo. Raoul de Keyser. Manet. Matisse. Mondrian. Rembrandt. Es gibt ganz viele, die mich faszinieren und beeinflussen. Zu Beginn des Studiums in Mainz habe ich mich sehr analytisch mit der Disziplin Malerei, besonders mit verschiedenen minimalistischen Strömungen, auseinandergesetzt. Das sieht man auch in meinen Arbeiten. Meine Formsprache bedient sich beim Konstruktivismus und der Farbfeldmalerei und erinnert auch an Hard-Edge oder Minimal. Gleichzeitig fließt bewusst und unbewusst mit ein, was mich im Alltag umgibt und interessiert: zum Beispiel Einflüsse aus der Populärkultur von Schriftstellern, Filmemachern und Musikern bis zu persönlichen Erinnerungen an Orte und Personen. Diese Durchlässigkeit wurde auch durch Professor Thomas Grünfeld von der Kunstakademie Düsseldorf angeregt.

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Welches Anliegen verfolgst Du mit der Kunst?

Meine Bilder sind nicht unbedingt "über" etwas: Sie sind das Pendant zu unspezifischen Erfahrungen, das zufällige Produkt aus der Fülle alltäglicher Einflüsse. Mein Anstreben sind Bilder, die keinen bestimmten Zeitrahmen oder Raum markieren, sondern sich wie ein Spiegel immer wieder neu zum Betrachter verhalten. Dafür sollte man sich so positionieren, dass man sich nicht selbst den Blick verstellt.

Falls Bilder einen Sinn haben, dann liegt er im Material und nicht in Form eines Codes, den es zu entschlüsseln gilt. Ich glaube daran, dass ein Bild sowohl dessen Urheber als auch dessen Betrachter in optischer, kognitiver, emotionaler und spiritueller Hinsicht eine reflektierte Erfahrung eröffnen kann.
— Wilhelm Beermann
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Welche Techniken und Materialien bevorzugst Du?

Für das, was ich zur Zeit mache, sind Lack und die glatte Oberfläche des Aluminiums gut geeignet. Bevor ich die Farbe auf den Träger bringe, mache ich Skizzen und lege mir einen Plan zurecht. Es ist mir aber noch nie gelungen ein Bild nach Plan zu vollenden. Farbe trage ich mit Pinsel oder Spachtel auf und mit Schleifgerät oder Lösemittel ab. Das Bild ist fertig, wenn die kompositorischen Elemente so in Position gebracht sind, dass sie in ein ständiges Wechselspiel eingehen. Dafür wende ich verschiedene, konkurrierende Kompositionsregelungen an. Insgesamt macht das direkte Malen nur etwa 10% in der Entstehung einer neuen Arbeit aus. Bilder versuche ich am Stück durchzuarbeiten, sonst trocknet der Lack und die Oberfläche ist zerstört. Das kann bei größeren Bildern durchaus 14 Stunden dauern. Wenn ich nicht zufrieden bin, trage ich die Farbe wieder ab und beginne von vorn. Weil ich dazwischen aber Abstand brauche, arbeite ich parallel an mehreren Bildern. Beim Malen lasse ich mich nicht gern ablenken. Ich bin glücklich, wenn ich in das Atelier gehen kann, und es keinen nahen Termin gibt, der mich hindert die Nacht durchzuarbeiten. Oder um 6 Uhr nach Hause zu gehen, und am nächsten Morgen weiter zu machen.

Wilhelm, vielen Dank für das Interview!



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